Nach der Begrüßung durch den Direktor der Jugendbildungsstätte Karsten Biermann und Gesa Retzlaff vom Plattdüütsch-Zentrum in Leck, die mit Moderator Jann Rothberg zusammen den Tag organisiert hatten, gab es auch Grüße aus der Staatskanzlei. Diese überbrachte Johannes Callsen in seiner Funktion als Beauftragter für Minderheiten und die Regionalsprache Niederdeutsch. Anschließend übernahm Jann die Moderation und sorgte mit gewohntem Gespür und Schalk für das Einhalten des Zeitplans und den Austausch von fragen und Rückmeldungen an die Gruppen. Das Publikum war aufgefordert „Magic Moments“ zu beschreiben, Eindrücke, die sie beim Zuschauen besonders wahrgenommen hatten. Diese Gespräche nach dem Spielen waren vun Beginn an ein Grundprinzip und Anliegen des Spielgruppentreffens und ihrer Kooperationspartner (IBJ Scheersberg, Zentrum für Niederdeutsch Leck, Kulturstiftung Schleswig-Flensburg, Schleswig-Holsteinischer Heimatbund, Niederdeutscher Bühnenbund SH, Landesverband der Amateurtheater un LAG Spiel). Auf der lichttechnisch prima ausgestatteten Bühne des Festsaals zu spielen, war für alle etwas Besonderes. Zu Beginn des Programms wurde das Ergebnis der Kinner-Theaterwarksteed op Platt präsentiert. Diese fand am Wochenende zuvor auf dem Scheersberg mit dem Stück „Papageno, de lütte verzauberte Fleut un de böse Mono“ unter der Leitung von Heide Bachmann statt. Deren Bühnenausstattung wurde von den Grundschülern aus Stadum glattweg übernommen, die darin anschließend „Dat Märken vun den dicken fetten Pannekoken“ zeigten. Der geplante Programmbeitrag der Niebüller Gemeinschaftsschule musste leider ausfallen. Nein, nicht wegen der Virus-Krise. Sie konnten sich nicht auf den Weg zum Scheersberg machen, weil in den Kreisen Nordfriesland und Schleswig-Flensburg die Busfahrer streikten. Also: Umbau bei offenem Vorhang – ein neues Grundprinzip in diesem Jahr, damit man sich auf dem Gebiet der Bühnenausstattung auch besonders leicht Ideen mitnehmen konnte, und dann gaben die Junge Lüüd ut Löwenstedt das Stück „De Rööv“ , das auf moderne Art an Motive aus der Geschichte vom Fischer und seiner Frau erinnerte. Die zehn schwarzen Sitzwürfel, die bei dieser ganz reduziert ausgestatteten Inszenierung zum Einsatz kamen, wurden promt von zwei anderen Gruppen für deren Vorstellung später ausgeliehen – man sieht etwas und hilft sich, eine besonders schöne und selbstverständliche Sache bei diesem Treffen. In der Mittagspause konnten sich Kinder und Jugendliche an einem niederdeutschen Quiz beteiligen und einen Gutschein für einen Wochenendkurs auf dem Scheersberg gewinnen. Bevor es im Programm mit „De lütten Theaterspelers ut Hastedt“ weiterging, überbrachte Inge Büll-Meynerts Grüße des Landesamateurtheaterverbands. Die dithmarscher Gruppe war zum ersten Mal bei diesem Treffen dabei und sorgte mit „Sketche ut ‘t Leven“ für viel Vergnügen. Besonders gern gesehen sind bei diesem Veranstaltungsformat Produktionen, die noch in der Probenphase sind. Mit Ausschnitten hieraus hatten sich die Dörfergemeinschaftsschule aus Zarpen und die „Junge Lüüd vun de Schleswiger Speeldeel“ angemeldet. Zum Stück „Dat Geisterhuus“, das die Schüler der Niederdeutsch-Modellschule aus der Nähe von Lübeck zeigten, war sogar der Autor zugegen. Mit „De wilden Höhner geven Vossalarm“ stellte sich die Jugendbühne aus Schleswig zum ersten Mal auf dem Scheersberg vor. Spielleiter Rune Hansen lotste die Zuschauer mit kurzen Hinweisen zum provisorisch angedeuteten Bühnenbild und den ausgewählten Spielszenen durch die populäre Geschichte, mit der die Gruppe die Neugier auf mehr weckte. „Dat mutt ik mi unbedingt ankieken, wenn dat fardig is“ nahmen sich einige Besucher sogleich vor. Fertig war die Inszenierung „De Zauberlehrling“ der Plietschen Platten Nordangler, die kurz zuvor mit diesem Stück Premiere gehabt hatten. Darin gab es Rap-Elemente und lebendige Requisiten zu entdecken. Dass zwei erfahrenen Erwachsene Spieler zum Ensemble gehörten, sei anfangs aus der Not geboren, berichtete die Gruppe im Nachgespräch. Eine Konstellation, die sich für Spiel und Sprache als Gewinn erwies. Mit „Acht för de perfekte Geschicht“ gab das Jugendtheater der Niederdeutschen Bühne Preetz als „Scheersbarg-Newcomer“ eine Eigenproduktion. Die acht Jugendlichen hatten die Suche nach besagter Geschichte in ein Laborexperiment verpackt. Mit Motiven und Musiken aus Filmgeschichten, die sie begeistern und zu ihrem Leben gehören gingen sie daran die Aufgabe zu lösen. Kann die Essenz aus all diesen Geschichten nicht nur „perfekt“ sein? Einige Zuschauer, die sich in der modernen Film- und Medienwelt nicht tummeln, hatten Schwierigkeiten den Faden des Stückes aufzunehmen und die Pointen zu verstehen. Andere beschrieben die Vorstellung begeistert als „Gesamt-Magic-Moment“. Als Vorspann beschrieben die Preetzer Jugendlichen ihre Motive zu der Frage: „Warum plattdeutsches Theater?“ Auch diese Antworten beeindruckten! Am Ende der Veranstaltung war der eine oder andere von den vielen bereichernden Eindrücken schlichtweg „platt“. Die große Beteiligung macht Mut! Wenn die Nachfrage der spielenden Gruppen so bleibt oder noch weiter steigt, werden die Veranstalter es wagen über eine Erweiterung des Spielgruppentreffens auf zwei Tage nachzudenken. Gruppen, die Interesse daran haben beim nächsten Mal dabei zu sein, können sich bereits vormerken lassen.