Gesa Retzlaff ist eine Frau, die nicht nur (platt) schnackt, sondern tatkräftig anpackt, wenn es darum geht, die Sprache mit Leben zu füllen. Und so nahm sie Kontakt mit den Autoren und dem Verlag in Husum auf und holte sich für die Übersetzung Susanne Feddersen und Ingwer Oldsen ins Boot – zwei waschechte Regionalsprachler. „Das war mir wichtig, weil Platt viele Varietäten hat und überall ein bisschen anders gesprochen wird. Arlewatt und Ollerup sollten in dem Buch so sprechen, wie die Menschen in ihren Dörfern.“ Für den zweiten Teil ihrer Idee – die plattdeutsche Version soll in keinem Bücherschrank sämtlicher 118 Kindergärten in Nordfriesland fehlen – erhielt sie Unterstützung vom Förderverein des Plattdüütsch-Zentrums, Zuschüsse der VR Bank Westküste und deren Stiftung für die Region Nordfriesland sowie von der Stiftung „Mien Moderspraak“.

Für die feierliche Übergabe der ersten Ausgabe von „Arlewatt un Ollerup – Aventüer in Noordfreesland“ trafen sich alle Beteiligten am Kindergarten in Olderup. Gesa Retzlaff richtete ihren Dank an die Autoren, die erst vor wenigen Jahren nach Nordfriesland kamen und sich ihre neue Heimat auf Ausflügen über Land erarbeitet haben. Über viele Ortsnamen hatten sie sich unterwegs köstlich amüsiert und so entstand irgendwann die Wichtel-Idee. „Ohne Euren frischen Blick auf das Geschehen hier wären wir wohl nie auf so eine Idee gekommen“, sagte sie und lobte die „zauberhaften, liebevollen Charaktere der Wichtel, deren große Naturverbundenheit und den klaren Blick auf alles, was gut läuft oder noch besser laufen könnte“.

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Diesen Hinweis griff die Kita-Leiterin auf und berichtete von einem gerade angelaufenen Blühwiesen-Projekt der Gemeinde, an dem sich der Kindergarten beteiligen wird. Dass in dem Buch genau dieses Idee behandelt wird, hat bei ihr Gänsehaut ausgelöst: „Als hätten die Autoren gewusst, was wir vorhaben“, sagte Kirsten Thomsen-Kirsch und freute sich deshalb riesig über die signierte Illustration, die Alexander Schmidt ihr mit warmen Worten überreichte. Die Zeichnung zeigt die beiden Wichtel mit einem riesigen Blumenstrauß in den Händen.

„Wir wünschen uns schon seit langem, dass in den Kindergärten wieder mehr Plattdeutsch gesprochen wird. Da trifft dieses Buchprojekt den Nagel auf den Kopf“, sagte Truels Hansen vom Förderverein des Plattdüütsch-Zentrums und verwies auf das seit über zehn Jahren bestehende Kursangebot „Platt för de Lütten“ für pädagogisches Fachpersonal und Ehrenamtler in Kitas.

Thomas Carstensen gestand, dass ihm gleich nach dem Lesen der ersten Abenteuer eigene Ideen kamen, was Ollerup in der schönen und schützenswerten Natur rund um sein Dorf noch alles sehen, erleben und tun könnte. „Dass man durch so eine Aktion, und dann auch noch durch Außenstehende, auf die Besonderheiten in der eigenen Feldmark und Geschichte hingewiesen wird – das finde ich besonders schön an diesem Projekt“, so der Olderuper Bürgermeister. Seine Amtskollegin Silke Clausen brachte ihre heimliche Freude darüber zum Ausdruck, dass die Autoren den Wichtel Arlewatt im Gegensatz zum etwas ruppigen Olderup so klein und zierlich werden ließen.

Das Kinderbuch wird nun an alle 118 Kindergärten verschickt. Es ist übrigens nicht nur auf Hoch- und Plattdeutsch erhältlich, sondern inzwischen auch in friesischer und dänischer Sprache.  (ssl)

 

Gruppenfoto: v.l. Gesa Retzlaff (Plattdüütsch Zentrum Leck), Bente Jensen (im KiGa Olderup zuständig für die Regionalsprachen), Stefanie Möhrke (VR Bank Westküste), Kita-Leiterin Kirsten Thomsen-Kirsch, J. Alexander Schmidt (Illustrator), Elisabeth Hagopian (Autorin), Truels Hansen (Förderverein Plattdüütsch Zentrum), Silke Clausen (Bürgermeisterin Arlewatt), Thomas Carstensen (Bürgermeister Olderup), Wiebke Jensen (Stiftung Mien Moderspraak).

 

Plakatfoto: Illustrator J. Alexander Schmidt (2.v.l.) brachte für Kita-Leiterin Kirsten Thomsen-Kirsch (l.) ein signiertes Wichtel-Plakat mit.